Achilles‘ Verse Band 2
Lerne Laufen ohne Leiden


Autor | Achim Achilles |
Verlag | Heyne |
Seiten | 224 |
Format | Taschenbuch |
Erschienen | 03/2009 |
ISBN-13 | 9783453600942 |
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Vom Martyrium des Tempotrainings über nächtliche Fressattacken bis zum Pronationsmittelbrückenleichtbauschuh - schonungslos seziert Deutschlands bekanntester Freizeitsportler den Irrsinn der schönsten Hauptsache der Welt.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Traummann für Charlotte Roche 15
- Härter als Haile 18
- Solariumskrähe und Leberwurst 21
- Mein wunderbares Opfer 24
- Kampfschaf im Unterholz 27
- Qualen nach Zahlen 30
- Schinder mit Herz 33
- Leichtfüßig wie ein Flusspferd 36
- Vom Zausel vorgeführt 39
- Im Visier des Klemmbretts 42
- Kuddel, der Held 45
- Quickstep im Dixi-Land 48
- Igitt, Herpes 51
- Der beste Tag des Jahres 54
- Schamanenkaffee 57
- Das ABC der Läufer-Ängste, Teil I 60
- Das ABC der Läufer-Ängste, Teil II 63
- Das ABC der Läufer-Ängste, Teil III 67
- Angst-Spezial: Furcht vor Frauen 71
- Britney in der Sprunggrube 74
- Kampf gegen das organisierte Erbrechen 77
- Hungerkrämpfe nach dem Waden-Burning 80
- Schenkel-Exhibitionismus pur 83
- Die Wade ist der Blinddarm des Beines 86
- Never change a winning Sieben-Gänge-Menü 89
- Den Hals voll 92
- Packt die Bäuche wieder ein 95
- Rocky statt Rezepte 98
- Dinner im Trainingsanzug 101
- Ein Stachel namens Brad 104
- Mein Feind, der Spiegel 107
- Der Elefantenvibrator 110
- Operation Wampentod 113
- Kindheitstrauma Weidezaun 116
- Männer und ihre Möpse 119
- Als die Saurier noch herrschten 122
- Ansichten eines Chauvi-Schweins 125
- Achtung, Schnupfen! 128
- Bammel vor dem Weißkittel 131
- Rappeln im rechten Lappen 134
- Blutdoping im Kuhstall 137
- Hilfe! Alpen von Walkern verseucht! 140
- Der Klang des Eiweiß-Dopings 143
- Weck den Horst in dir 146
- 60 Euro statt 60 Minuten 149
- Retro-Rüdiger trifft Beischlaf-Blödmops 152
- Die Uhr, der größte Feind 155
- Liegestütze mit Koran 158
- Biowaffe in Laufschuhen 161
- Von Musterpapis und Pavianpopos 164
- Der rasende Rotzlöffel 167
- Haufenweise fiese Köter 170
- Inmitten autistischer Dröhnschädel 173
- Geisterläufer auf der Tartanbahn 176
- Der Knut vom Grunewald 179
- Tückischer Sockenrost 182
- Helden der Socken-Saga 185
- Renaissance des Stützstrumpfes 188
- Cursus interruptus 191
- Massaker im Kleiderschrank 194
- Ein Fall für die Super-Nanny 197
- Ja, auch ich habe gedopt 200
- Schlammfromme Schweinerei 204
- Fett, nicht fit 207
- Glühwein mit Folgen 210
- Höllenduell gegen den Hulk 213
- Ein Weihnachten zum Davonlaufen 216
- Ein bisschen Liebe und sehr viel Vernunft 219
- Die Zehn Gebote des Winters 222
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Vorwort
Laufen ist immer Qual, egal, ob man läuft oder nicht. Die Wade reißt schon beim Schleifemachen. Und das ist erst der Anfang. Jeder Schritt ein Martyrium, oben, unten, überall. Wenn man nicht läuft, ist es allerdings noch schlimmer: Dann pocht das schlechte Gewissen. Wirklich wohl fühlt inan sich allenfalls für ein paar wenige Minuten unmittelbar nach dem Laufen. Dann tut zwar alles weh, aber das schlechte Gewissen pocht etwas leiser. Doch kaum tropft der Schweiß nicht mehr, geht das innere Psychomassaker wieder los. Anschwellendes Schweinehundgebrüll: "Letztes Jahr ging die Runde um den Schlachtensee aber noch bedeutend zügiger. Vor allein zweimal. Wenn schon nicht schnell, dann wenigstens nicht so kurz - hatten wir uns doch mal vorgenommen, oder? Wo kommt dieses Knarzen eigentlich her? Hüfte? Leiste? Leber? Kein Wunder, bei dem Lebenswandel. Aber immer große Fresse, von wegen Marathon. Und am Ende doch nur die Seniorenrunde im Schlurfmodus. Das soll laufen sein? Die Spaziergänger grinsen ja schon. Die überlegen, ob sie den Rettungswagen rufen. Kein Wunder, bei der lila Birne. Jupp Heynckes ist ein Albino gegen mich. Und Reiner Calmund ein Strich. Auf den Reklamefotos liegt dieses elend teure Laufhemd ganz eng an. Warum weigert es sich bei mir? Ich sehe aus wie ein verhängtes Kettenkarussell, das in Zeitlupe durch den Wald rollt. Läufst du noch oder stirbst du schon, du dicke, lahme Ente?"
Leider stimmt jedes Wort. Weghören geht nicht. Kommt ja von innen, und doch nicht zu überhören. Ich sehne einen Tinnitus herbei. Laufen, das ist aber auch Hoffnung. Die Illusion, nach dem samstäglichen Gehechel durch den Grunewald nicht ganz so fertig zu sein wie beim letzten Mal. Die Vorstellung, dass die schnuffelige, kleine Praktikantin zufällig guckt, wenn man das Hosenbein an der Stuhlkante ein wenig emporschiebt, so dass ein Stück dieser plumpen, aber immerhin ziemlich harten Wade zu sehen ist, die wir just in diesem Moment bis zur Krampfstarre anspannen, ohne dabei angestrengt auszusehen.
Die schlimmste Hoffnung ist allerdings die auf Gelassenheit: Bewegung genießen, frische Luft einsaugen, nur mal zwei Minuten lang nicht auf die Uhr gucken. Einfach mal loslassen, empfiehlt die Vernunft. Würde ich ja gern, antwortet der Läufer, geht aber nicht. Laufen verhält sich zur Gelassenheit wie Dieter Bohlen zu Thomas Anders - eine völlig zerrüttete Beziehung.
Mal angenommen, der Dalai Lama würde laufen. Wie würde der kleine Tibeter das Training angehen? Erst mal lachen, als Grundhaltung. Hülfe ja schon eine Menge, wenn sich die notorisch maulende I.äuferbande daran halten würde. Dann ein Viertelstündchen meditieren. Auch gut: Einfach mal gar nichts ma-chen - mentales Walken. Verabschieden aus der bösen Welt da draußen und eintauchen ins Paradies, wo Wadenkrampf und Lungenbrennen wohnen.
Dann langsam loslaufen, ganz leicht und gut gelaunt. Kein Trainingsplan im Kopf, keine Uhr am Handgelenk, erst recht kein (PS oder Handy. Freies Laufen, ohne jede Vorgabe, ohne Ziel, ohne Druck. Kurz., Urlaub auf Luftpolstersohlen.
Schöne Vorstellung, aber leider völlig unrealistisch. Wer läuft, will Qual und Zweck. Anerkennung, abnehmen, Bestzeit rennen, von seinen Kollegen bestaunt werden. Zielloser Zen-Run funktioniert erst recht nicht, wenn der Ehrgeiz brennt. Wo kommen wir denn da hin, wenn Laufen auf einmal nur noch Spaß macht? Es ist die Angst, die uns treibt, nicht das Vergnügen.
Und so dreht sich der Läufer in einer endlosen Redundanzschleife der Dialektik: Hoffen und Bangen, Endorphinrausch und Suizidgedanken, Sucht und Unlust, Lachen und Leiden erzeugen ein stetes Feuerwerk der Emotionen, das uns mehr als ohnehin schon an uns zweifeln lässt.
Einmal, nur ein einziges Mal, wollen wir den großen Sieg, am liebsten über uns selbst. Aber die Anstrengung auf dem Weg dorthin umgehen wir mit allerlei Listen. Verträge mit uns selbst schließen wir nur, um sie alsbald frohgemut zu brechen. Natürlich könnten wir schneller sein und dünner. Aber jetzt gerade nicht. Nächste Woche vielleicht oder nächstes Jahr. Aber da klappt es wahrscheinlich auch nicht.
Trotzdem laufen wir weiter. Damit wir weiter leiden können. Lauf und Leid gehören zusammen wie Loki Lind Helmut Schmidt. Vergeblich bleibt jeder Versuch, die beiden zu trennen. Man kann sich aber ganz gut arrangieren mit dein fortwährenden Scheitern an den eigenen Erwartungen. Die Qualität der Ausreden wird mit den Jahren beständig besser.
Schöner scheitern, so lautet das Lebensmotto des Achim Achilles. Zahlreiche eindrucksvolle Beispiele dafür sind in diesem Buch dokumentiert, Kolumnen, die bei Spiegel Online erschienen sind. Die Resonanzen zeigen: Hobbyläufer Achilles ist offenbar nicht allein mit seiner emotionalen Resterampe. Viele Leser stellten nach Lektüre des ersten Bandes (Achilles Verse: Aus dem Leben eines Läufers) erleichtert die Frage: "Achim, woher weißt du, wie es in mir aussieht?"
Achim weiß es gar nicht. Er schreibt nur auf, was tagtäglich in ihm wühlt, vor, während und nach dem Laufen. Offenbar aber ticken Läufer ziemlich synchron. Jeder kämpft zwar verbissen für sich, aber allein sind wir dennoch nicht. Denn im Kopf und in den Beinen passiert bei all diesen Alltagshelden dasselbe, im Magen und im Bett übrigens auch.
Die archaische Fortbewegung auf zwei Beinen ist eben mehr als ein Zeitvertreib: Laufen ist kollektives Bewusstsein, ein unsichtbares Band, das Millionen Menschen aller Kulturen, Generationen und Schichten zusammenhält. Die Sprache der Beine ver-stellt man überall auf der Welt.
Für Millionen Freizeitathleten bedeutet Laufen Leiden, aber eben auch Leben, in seiner unkompliziertesten Variante. Wer läuft, wird leicht, vor allem dann, wenn er gar nicht daran denkt: Endlich mal ein Stündchen ohne Arbeit und ohne Handy, ohne Druck, Generve und Asthetikdiktat. Stattdessen einfach nur Schritt für Schritt und immer nach vorne. Was sind dagegen schon die leisen Quietscher des Hüftgelenks oder das Pieken des Fersensporns?
Laufen ist Leiden, aber voller Freude.
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Man braucht sich gar keinen Spiegel vorhalten, um sich als Läufer wieder zu finden. Genauso ist es in der Realität.
Ein Unterschied aber ist mein mitlaufender Hund.Ist für mich immer wieder Trainingsantrieb und Tempomacher, und ärgert, weil er es kennt, keine Läufer.
Ansonsten bitte unbedingt weiter so!!!!!
Fazit: ein buch das man gelesen haben muss